Page 14 - Rituale - in Beratung und Therapie
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2. Rituale
2.1 Definition
„Ein Ritual (von lateinisch ritualis = "den Ritus betreffend") ist eine nach
festen Regeln durchgeführte, eher feierliche Handlung mit hohem
Symbolgehalt. Sie kann religiöser oder weltlicher Art sein. Eine
festgelegte, zeremonielle Ordnung von Ritualen oder rituellen
Handlungen bezeichnet man als Ritus.“
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Bobby C. Alexander definiert den Begriff des Rituals als ein „im
allgemeinsten und grundlegendstem Sinn (…) geplante oder
improvisierte Performance, die eine Überleitung des alltäglichen Lebens
in einen alternativen Zusammenhang, in dem der Alltag transformiert
wird, bewirkt.“ 2
Victor Turner sieht in einem Ritual ein „vorgeschriebenes formalisiertes
Verhalten für Gelegenheiten, die noch keine Routine geworden sind und
die einen Bezug zum Glauben an mystische [...] Kräfte oder Wesen
haben, die als ursächlich für den erstrebten Effekt angesehen werden“ 3
Stephan Ludwig verweist auf die sinngebende Wirkung der Rituale.
„Sinnhaftigkeit aber enthüllt sich in einer Erfahrung von Sinn. Rituale
schaffen einen Raum für diese Erfahrung. Rituale sind ein vielschichtiges
Geschehen, in dem sich die Mehrdeutigkeit des Lebens entfalten kann.
Sie schaffen lediglich eine Brücke zwischen der äußeren Welt und der
11 „Ritual“, Wikipedia, der freien Enzyklopädie (www.wikipedia.org/wiki/ritual)
22 Alexander, Bobby C.; Ritual and current studies of ritual : Overview. In Glazier,
Stephan
D. Anthropology of Religion: A Handbook, London 1997, S. 139
33 Turner, Victor; zitiert nach Wolberg, Raphaela, Riten & Rituale, Seminararbeit
Universität Trier, 2002, Seite 4
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