Page 12 - Rituale - in Beratung und Therapie
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sinngebenden Erfahrung eines Rituals gewahr zu werden, und diese
ganz bewusst im Lebensalltag zu installieren.
Das Wort „Ritual“ übt eine große Faszination aus und weckt Phantasie
und Neugier. Wir spüren darin intuitiv die Begegnung mit dem
Archaischen, dem tief in uns Verwurzeltem, dem Unvertrauten und dem
Unvorhersehbaren. Wenn wir unseren Gedanken freien Lauf lassen,
führt uns das Wort „Ritual“ zu traumähnlichen Bildern, Klängen und
Welten des Unbewussten.
In der Literatur finden sich nur wenige Abhandlungen zu diesem Thema.
Gleichzeitig sind uns Rituale seit Jahrtausenden bekannt; wurden und
werden diese im religiös / spirituellem und heilendem Kontext eingesetzt.
Allein hieran ist zu erkennen, das Rituale eine hohe Wirkweise haben.
Untersuchungen von Huxley (1923), Eibl-Eibesfeldt (1967) und Konrad
Lorenz (1950) belegen, das die Ritualisierung und die aus ihr
entstehenden Rituale im Verhalten der Tiere eine auffallende und
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gewichtige Rolle spielen. Rituale sind folglich älter als die Menschheit.
In der Beratung und in der Therapie sind wir ständig auf der Suche nach
neuen Methoden um wirkungsvolle Veränderungsarbeit für unsere
Klienten zu initiieren und diese in schwierigen Lebenssituationen zu
begleiten. Bewusst eingesetzte, und gestaltete Rituale scheinen insoweit
ein ideales Medium für diese Arbeit zu sein. Rituale sind ein potenziell
hochwirksames Mittel zur Bewältigung von emotional explosiven
Situationen. Es wird angenommen, dass Interventionsformen besonders
wirksam sind, wenn sie nicht ausschließlich auf das Erkennen von
11 Siehe Übergänge im Leben von Tieren; in Rituale, Hrsg. Welter-Enderlin, Rosemarie;
Hildenbrand, Bruno, Heidelberg 2002, Seite 26
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